Die Prologe der Frühlingsoffensive

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Die Prologe der Frühlingsoffensive

Beitrag von Das Sprachrohr am Mi Jan 04, 2017 2:56 pm

Hier finden sich die Geschichten und Mythen die erschaffen wurden um vor den Tagen der Frühlingsoffensive selbst die Massen zu unterhalten, Ihnen die Gründe Ihres Schaffens nahe zu legen und die Loyalitäten zu fixieren.
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Das Sprachrohr
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Prolog zur Frühlingsoffensive 2017

Beitrag von Level am Mo Jan 16, 2017 1:28 am

40.001 - A Space Hulk Odyssey




Das Zerbersten der Realität kündigt sich zuerst mit einem kleinen, schwach leuchtenden Riss an, der sich im Nichts des Weltalls immer mehr ausbreitet. Das schwache Leuchten wird rasch stärker bis zu einem grellen Lichtblitz. Am Ursprungsort entsteht ein sich immer schneller ausdehnendes weißes Loch aus dem scheinbar unendliche Mengen gleissenden Lichts strömt. Sekunden danach schiebt sich ein gewaltiges, monströses Gebilde aus dem Loch in den Realraum, unförmig und unbeholfen. Die Form des Gebildes folgt keinerlei physikalischen Gesetzgebungen und die Zusammensetzung lässt sich nur schwer erkennen. Nachdem es sich vollständig aus dem gleißenden Loch in den Realraum gezwängt hat, trudelt es langsam um sich selbst drehend in den Weltraum hinein. So schnell wie der Riss in der Realität entstand ist, ist er auch wieder verschwunden, beinahe so als ob es ihn niemals gegeben hätte.
 
Das unbekannte Gebilde bleibt jedoch nicht allzu lange unbemerkt. Etliche der Spezies in diesem Teil der Galaxie benötigen nicht lange um auf den Neuankömmling aufmerksam zu werden. Jede Spezies hat ihr eigenes Interesse daran und vor allem einen Namen :

SPACE HULK




Zuletzt von Level am Di Jan 24, 2017 9:14 pm bearbeitet; insgesamt 1-mal bearbeitet
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was bisher auf dem Space Hulk geschauh

Beitrag von Level am Mo Jan 16, 2017 2:31 am

Es war die Vergangenheit, es ist die Gegenwart, und es wird die Zukunft sein.

Und während die Zeit immer weiter voranschreitet, lässt ihr Einfluss alle Dinge altern.

Auch wenn jedes Ding sich - mehr oder minder erfolgreich - dem Zahn (und Magen) der Zeit widersetzt, so kommt irgendwann für Alles der Punkt, das es sich verändert, oder ganz verschwindet.
Also hat Alles seine Zeit des Wachsens, seine Hoch-Zeit, und seine Zeit des Verschwindens.

Denn die Zeit fließt beständig, und kontinuierlich.

Dies gilt für die gesamte Realität, also jenen Ort, der der Menschheit und des Xenos Heimat ist.



Doch gibt es auch den anderen Ort.



Er hat im Laufe der Zeit viele Namen erhalten, seien es Hyperraum, Warp, Segmentum Obscurum, Mahlstrohm, Gefilde des Chaos - um nur einige zu nennen.

Denn dort verläuft Alles chaotisch - wie auch die Zeit selbst.

Und da hin und wieder Dinge ihren Weg an jenen Ort finden, werden sie aus Ihrer Zeit gerissen. Und ohne Plan, ohne Absicht und ohne Ordnung  treiben Sie dahin, treffen aufeinander, verschmelzen miteinander.

Und kehren wieder in unsere Realität zurück - als SPACE HULKS.


Niemand kann sagen, was sie auf ihrer Reise durch den anderen Raum alles aufgesammelt haben, von welchen Orten, welchen Spezies, aus welchen Zeiten.

Doch jeder kann den unglaublichen Wert erkennen, die unvorstellbaren Schätze vergangener, besserer Tage, die in dieser von Krieg, Wahnsinn und Vernichtung verwüsteten Realität so dringend gebraucht werden.

EIN solches Space Hulk ist nun im Jerichosektor erschienen. Und dieses spezielle, gigantische Gebilde betrat unsere Realität zum ersten Mal überhaupt. Im Acheron-Quadranten, nahe der Hades-Anomalie.

Trotz der gewaltigen Risiken, Gefahren und tödlichen Bewohner jenes Space Hulks haben alle benachbarten Mächte sofort Streitkräfte in Bewegung gesetzt, um so schnell so viel wie möglich davon zu erkunden, zu erobern und auszuplündern.

Denn niemand weiß, wie lange das Space Hulk dort bleiben wird ...

------------------------------------------------------------------------------------------



„SAVASHRI !“

Wie konnten Wir die Schlacht gegen jene unerfahrenen Krieger nur verlieren?

Wenn die 10 Jahre endlich vorbei sind, und wir weiter auf Terra vorrücken können, würde er längst zu den Solahma abgeschoben worden sein … oder sogar Geschkos ausbilden.

Mein Leben …meine Karriere als Krieger ist damit beendet.

Da ertönte zum dritten Mal die Bordglocke, und der Hyperraumsprung begann.


Doch der verlief diesmal anders als sonst …

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„Captain?“

„Ja, Nummer 1.“

„Alles bereit für Flug mit Warpgeschwindigkeit.“

„Danke, Nummer 1. Energie.“


Kurz darauf.


„Nummer 1, was sind das für Farben? Haben Sie so etwas schon einmal gesehen …“

------------------------------------------------------------------------------------------


Jemand hatte einmal gesagt, eine Raumschlacht hätte die Eleganz eines Walzers.

Nun, solange man das Glück hat, sich in der Rolle des weit entfernten Zuschauers zu befinden, hat man auch die Zeit, das hochtechnisierte Vernichten abstrakt zu betrachten.

Gerade vollführten die beiden Schlachtschiffe ihr Turn-Over, um einander mit den anderen Seiten zu beschießen. Und das eigene Schiff der Shiva-Klasse wurde langsam, aber sicher von der gegnerischen Venatrix-Klasse kampfunfähig geschossen. Mehr und mehr Geschütze des TOG-Schiffes verstummten in farbenfrohen Explosionen, während die Jäger beider Seiten einander weitgehend in einem Blitzgewitter neutralisierten.

Und Wir werden die nächsten sein.

Ohne mich.



"Schiff zum Übergang in den T-Raum vorbereiten."

Und der Raum begann sich um das Schiff herum zu krümmen. Doch diesmal verlief das Alles anders als sonst ...

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Und noch vieles mehr ging schief, an anderen Orten, zu anderen Zeiten.

Doch nun zu dem, was auf dem Space Hulk selbst geschehen ist.




"Bruder Hauptmann Varus, wir haben den Feind endlich zurückgeschlagen!"

Nein, die haben lediglich das Interesse an uns verloren, weil sie was Interessanteres gefunden haben.
Während Wir hier festsitzen ...


Und dabei hatte die Invasion des Raumwracks so erfolgreich begonnen.

Zwei Kampfgruppen der Grey Knights, zwei Gruppen der Dark Angels und eine Streitmacht der Imperial Fists war dem Invasionsaufruf gefolgt, und hatte den Space Hulk in ihrem typischen lancelot.... äh, astartischen Stil erreicht.

Rasch waren Brückenköpfe gesichert worden ... Und dann kam der Verrat.

Gerade als die Ravenwing-Gruppe, geführt von diesem Bruder-Hauptmann Arminius, mit Bruder-Hauptmann Egon von den Grey Knights Kontakt aufnehmen wollte, eröffneten sie das Feuer mit ihren Plasmawerfern - und schossen die Verbündeten gnadenlos nieder. Beide Gruppen der Grey Knights.

Und jetzt stecken Wir in dieser Sackgasse, und können nicht mal unsere eigene Landezone erreichen. Und sitzen hier fest.
Na ja, zumindest kommen Wir in diesem Gelände schneller voran als erwartet ...


Und er merkte, wie er sich wütend ... ?verzweifelt? ... an den letzten Strohhalm klammerte ... oder war dies etwa wieder jener Sarkasmus, den ihm seine Brüder, allen voran Chaplain Severian, angeblich inzwischen ausgetrieben hatten ...



Der Autarch betrachtete seine rasch ausschwärmenden Truppen.

Ich sehe, daß die Vorsehung ungestört in Erfüllung geht. Die ersten Ungewissheiten konnten beseitigt werden.

Und er lächelte.

Oder unsere Probleme lösen sich gegenseitig.

Und er dachte an die in dunklem Grün gepanzerten, rohen Krieger der Chem-pan-sey, und ihren Verrat.

Die stolze Brut des Löwen. Bei denen weiß Du wirklich nie, was die als nächstes tun werden.

Mit Genugtuung nahm er die Berichte der Feuerdrachen entgegen, die die feindlichen Landungsschiffe mit dem Space Hulk verschweißt hatten.

Das wird den Bewohner dieser Monstrosität ein Ziel für ihren Hass, und ihren Hunger bieten - so daß wir uns ungestört wieder aus diesem Bereich zurückziehen können.
Um woanders weiterzusuchen.




Voller Erstaunen betrachtete Hexer Shar'uhm'ahn das Artefakt, das er aus dem Wrack des Eldar-Xenos-Schiffes geborgen hatte.


So klein, und doch so mächtig.


Und nun ist es mein ... zzz ... Mein .... Schaaattzzz ... ?


Häh ? Wo kommt denn der Gedanke auf einmal her ?



Offenkundig war das Artefakt so mächtig, das es selbst im abgeschirmten Zustand Einfluß auf ihn ausübte.
Und wenn es mich schon zu manipulieren versucht ...


"ALLE RAUS!"  befahl er seinen Vertrauten.


Nur widerwillig folgten Sie seinem Befehl, und er glaubte, den einen oder anderen gierigen Blick zwischen dem Artefakt und seinem Antlitz hin und herwandern zu sehen. Vorsichtshalber lud er seinen Stab mit bunt flackernden Flammen der Veränderung auf, so wie immer, wenn er gerade jemanden zum Wohle seines Gottes niederstrecken wollte.

Und erst dann erlosch das letzte Aufbäumen gegen seinen Befehl. Zumindest äußerlich.

Ich werde von nun an noch vorsichtiger sein müssen ...




In der Halle der Champions, Titan, Sol-System.



"Meine Mitbrüder, geehrte Großmeister. Bruder Hauptmann Egon hat uns soeben seinen Abschlußbericht seiner Sondierung jenes bisher unbekannten Raumwracks im Jericho-Sektor zugesandt.

Aufgrund seines Zustandes musste dieser von ihm direkt in den Geist des Astropaten gesandt werden, und ist entsprechend unpräzise."


Ein Chor der Seufzer erfüllte die Halle, gefolgt von großer Stille.



Dann folgten die Bilder, direkt vom Astropaten in die Psychen der anwesenden Brüder projiziert.

Und es begann.



"Ich kriege bloß weißes Rauschen."


"Und ich sehe nur die Wiederholung vom letzten Mal."


"Ich sehe alles nur in Schwarz-Weiß."


"Und bei mir sind es Zahlen ... Promethium ... Adamantium ... Plasstahl ... Moment ... das
sind die Börsendaten von NasDeath."


"Bei mir steht das Bild auf dem Kopf ..."


"Und was ich sehe, sollte ... Ohhh ... anatomisch eigentlich gar nicht möglich sein."



Ein lautes Seufzen entfuhr dem Großmeister.



"Schlag auf das Buch der Psalme, und rezitiert die Riten des guten Empfangs. Ich werde derweil nach dem Astropaten vom Adeptus Telecommunicativus rufen."

Hoffentlich dauert das diesmal keine 4 Wochen ...



Nur wenige Stunden später.



"Brüder ..." raschel, raschel, knirsch, schmatz.


Ein böser Blick wandert vom Großmeister zu den versammelten Paladinen.


"Aber ... die sind mit Weihrauschgeschmack, dreifach gesegnet."


"LASST ENDLICH DIE FINGER VON DEN SCHÜSSELN MIT DEN HOSTIEN !"



Der Großmeister sammelte sich entnervt, und fuhr fort.


"Die ... Empfangsstörungen ... sind behoben, Lasset uns beginnen, das Schicksal des Jerichosektors steht auf dem Spiel."



Ein erstauntes Raunen entfährt den versammelten Brüdern.

"Wie ist euch das nur gelungen ?"

"Nun, ich habe dem Adepten zwei Alternativen geboten: Entweder ein Termin heute noch ... oder ein Exterminatus schon morgen."


Das eine oder andere Grinsen blitzte auf.


"Brüder, genug der Zerstreuung, nun brauche ich eure volle Konzentration.
Bruder Egon mußte auf einen uralten Geheimcode zurückgreifen, um die Geheimhaltung zu garantieren."


Und diesmal sahen sie alle ein und die selben Bilder.






... Seid gegrüßt, Brüder, diese Nachricht kommt von mir, Bruder-Hauptmann Egon ...

 

... seid wachsam, niemand darf erfahren, was hier geschehen ist ...

... denn es ist Furchtbares passiert ! ...



... Wir konnten schnell zum Ziel vorrücken ...

... und problemlos unsere Landezone sichern ...



... Entschlossen rückten wir in den Space Hulk ein, umgeben von den Ausdünstungen des Immateriums ...


... Und wir begannen, die labyrinthischen Gänge zu durchsuchen, auf der Suche nach unseren Verbündeten ...


... und schließlich fanden die Brüder der Vorhut sie ...



... Entschlossen gingen wir auf sie zu ...


... doch irgendwas stimmte hier nicht ...


... denn ihr Anführer, jener Bruder-Hauptmann Arminius ...


... machte einen merkwürdigen, impulsiv-irren Eindruck ...


... auch seine Brüder vom Orden der Dark Angels waren irgendwie komisch ...


... da zeigten sie ihr wahres Gesicht ...


... doch ihr plötzlicher Verrat überraschte uns dann völlig ...


... verzweifelt erwiderten wir das Feuer ...

... und versuchten, die andere Gruppe unserer Brüder noch zu warnen ...

... doch sie erreichte die Warnung nicht, völlig unvorbereitet wurden auch sie überfallen ...


... Wir erlitten schwere Verluste ....
... doch gaben wir nicht auf ...

... aber es half alles nichts ...




... Brüder, wir mögen schwer getroffen worden sein, doch wir stehen dennoch bereit ...
... denn es gibt noch Hoffnung für die Menschheit im Jericho-Sektor ...

... Denn in den heiligen Straßen von Ophelia VII steht Er bereit ...

... lange hat er gebetet, meditiert und wartet nun bereit, frisch geläutert, auf seinen Kampf ...

... DER MEISTER DER REINHEIT !
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Re: Die Prologe der Frühlingsoffensive

Beitrag von Level am Mo Feb 27, 2017 5:21 pm



M30, im Orbit über einer umkämpften Welt:

 
 
Der Primarch studierte all die auf ihn einströmenden Information von jener Welt, die gerade von seiner Legion erobert wurde. Seit Stunden versuchte er bereits, dieses menschliche Reich bereits zu verstehen, das sich von Anfang an erbittert gegen den Anschluss an das Imperium gewehrt hatte.
  
"Wir akzeptieren keinen anderen Führer." so hatte es der Anführer der Ewigen, wie sie sich selbst nannten, in der kurzen Antwort auf das Angebot zum Anschluss an das Imperium ausgedrückt.
  
Sie stehen technologisch nur wenig unter unserem Niveau, haben ein starkes, effizientes Militär, das von einer sehr effizient organisierten Industrie ausgerüstet und versorgt wird. Die Bevölkerung ist vollständig darin integriert, sie scheinen monolithisch hinter ihrem Anführer zu stehen.
 
 
Ein sehr brauchbarer Ansatz. Bewundernswert.
 
  
Sie kämpfen diszipliniert und effizient, aber sie haben die Tendenz, im Falle der sich abzeichnenden Niederlage fanatisch bis in den Tod weiterzukämpfen, bis hin zu Selbstmordtaktiken - anstatt sich zurückzuziehen.
 
Erste Verhöre der wenigen, verwundeten Gefangenen deuten auf einen durch lange Konditionierung implantierten Stolz und gleichzeitig eine panische Angst vor der eigenen Führung gespeisten Durchhaltewillen hin.
 
Es hatte bereits ungewöhnlich viele Selbstmorde und Morde unter ihnen gegeben.
 
 
Hm. Ineffizient und problematisch.
 
 
 
Und dann das.
 
Was soll der Sinn dessen sein ?
 
 
 
Seine vorrückenden Söhne hatten seit kurzem Berichte, Bilder und Daten von unterirdischen Gefängnissen dem Datenstrom der Invasion hinzugefügt. Die selbst bei seinen in den Kathegorien Effizienz, Logik und Nutzen denkenden Söhne emotioniale Reaktionen ausgelöst hatten.
  
Das muß ich mir selbst ansehen.
 

 

Einige Stunden später, auf der Oberfläche der Welt:
 
 
 
Mit steigender Verwirrung - und wachsendem Entsetzen - ging der Primarch durch die Gänge der unterirdischen Einrichtung. Kampfspuren waren überall, so dass nicht klar war, wie viele Menschen im Laufe der Kämpfe gestorben waren, und wie viele schon vorher.
 
Aber der Gesamteindruck war ... abstoßend. Und es erschien überdimensioniert.
 
Wieso bringt eine solch gut organisierte Gesellschaft so viele Verbrecher hervor ?
 
 
Schließlich trat er an den Zentralcogitator und sah sich die dortigen Daten an.
 
Medizinische Daten. Penibel alles aufgelistet und dokumentiert.
 
 
Während er alles durchsah, wuchs seine Verwirrung immer weiter.
 
Menschen aller Alterklassen, beider Geschlechter, doch ohne irgendwelche Mutationen oder sonstigen ungewöhnlichen genetischen Abweichungen.
 
Was machen die hier für sinnlose Experimente ? Vivisektionen ... Bruchtests ? Alles penibel niedergeschrieben, aber wozu das alles ? Welches Ziel steckt hinter dieser ... brutalen ... Forschung ?
 
 
Homo minor ... niederer Mensch ... "Untermensch". Was soll das bedeuten ?
 
Hm. Reinheit der Spezies ... der Rasse ... Eugenik.
 
 
Das ist kompletter Unsinn - und das wissen die auch.
 
All die Qualen, all das Sterben hier ist vollkommen sinnlos gewesen.
 
 
Und der Zorn entflammte im Primarchen, wie in einem Vulkan, der schon zu lange gebrodelt hatte.
 
Er starrte auf seine beiden zu Fäusten verkrampften Hände, und seine Wut spiegelte sich darin.
 
 
Diesem Wahnsinn werde ich persönlich ein Ende setzen.
 



Nur wenig später, in einem weiteren, noch größeren dieser unterirdischen Gefängnislager:
 
 
 
... Langsam, Atemzug für Atemzug, raffte er seine letzten Kraftreserven zusammen, und schrieb ....
 
...Strich für Strich, Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort kämpfte er sich voran, und projizierte seine Gedanken auf die kalte Betonwand ...
 
 
... Sie hatten ihn mit all den anderen Mitgefangenen exekutiert, als der Angriff auf das Lager begonnen hatte ...
 
... Doch es war immer noch Leben in ihm ...
 
 
... Als er erwacht war, spürte er, dass ihm nur noch wenig Zeit blieb. Und er hatte begonnen, mit dem vergossenen Blut zu schreiben ...
 
... Sollen die Befreier erkennen, was hier gemacht worden ist ...
 
 
... Und er hörte, wie eine Urgewalt durch die Gänge stampfte, umgeben von ... Gewehrfeuer, Explosionen und gewaltigen Schlägen, ... und unaufhaltsam näher kam ...
 
 
 
"ARBEIT MACHT REIN" hatte in großen, aus Werkzeugen zusammengesetzten Buchstaben über dem Eingangsportal gestanden.
 
 
Und er hatte begonnen zu verstehen, wie dieser Ableger der Menschheit sich entwickelt hatte.
 
 
Wie hier eine Idee - die im Falle starker Mutationen zum Wohle der Menschheit notwendig sein musste - unreflektiert und von jeder ... Menschlichkeit ... befreit in ihrer extremen Ausrichtung eine komplette Gesellschaft in den Wahnsinn geführt hatte.
 
 
Nein, das Alles war sogar mit Absicht geschehen. Die medizinischen "Untersuchungen" hatten die Sinnlosigkeit dieses Eugenischen Programms von Anfang an klar herausgestellt.
 
Die Wissenschaft war hier lediglich dazu missbraucht worden, ein brutales, egozentrisches Regime zu erhalten. DAS ist die Quelle des Stolzes, und erst recht der Furcht der Leute hier.
 
 
 
Der Primarch blieb stehen.
 
 
 
Etwas war durch den Nebel von Wut, Zorn und Hass gedrungen, in den sein Geist kurz nach dem alleinigen Betreten dieses Ortes abgetaucht war.
 
 
Sein Instinkt hatte ihn hier innehalten lassen.
 
 
Er spürte das rhythmische Hämmern in seiner Brust und in seinem Kopf, und starrte wie hypnotisiert auf die blutigen Worte, die eine der davor auf dem Boden liegenden Gestalten an die Wand einer Zelle geschrieben hatte.
 
 
All that we can do is just survive
All that we can do to help ourselves is stay alive

Ragged lines of ragged grey
Skeletons, they shuffle away
Shouting guards and smoking guns
Will cut down the unlucky ones

I clutch the wire fence until my fingers bleed
A wound that will not heal
A heart that cannot feel
Hoping that the horror will recede
Hoping that tomorrow we'll all be freed

Sickness to insanity
Prayer to profanity
Days and weeks and months go by
Don't feel the hunger
Too weak to cry

I hear the sound of gunfire at the prison gate
Are the liberators here?
Do I hope or do I fear?
For my father and my mother, it's too late
So I must help my brother stand up straight

Am I the last one left alive?
Am I the only human being to survive?
 
 
Und er hörte, wie zusätzlich zu den seinen noch ein weiteres Herz schlug, nur sehr schwach, aber hartnäckig.
 
 
Er aktivierte den Funk. "Ich brauche einen Apothecarius. Es geht um einen Menschen, der dem Tode sehr nahe ist. Priorität Alpha."
 
 
 
Wieder schaute er auf seine Hände, die nun voller Blut waren.
 
Und er schwor, niemals die Lektion zu vergessen, die ihm dieser Ableger der Menschheit, dieses "Ewige Reich", in aller Deutlichkeit vermittelt hatten.
 
 
Der Primarch sah auf die zusammengesunkene, ausgemergelte Gestalt inmitten all der Leichen hinab, die sich voller innerer Stärke an ihr kleines bisschen noch verbliebenes Leben klammerte.
 
 
Sein Vater hatte seinen Söhnen empfohlen, und später auch aufgetragen, für sich und ihre Legionäre unter den Menschen Gesprächspartner zu suchen.
 
 
Ich hatte nie verstanden, wozu das gut sein sollte.
 
Doch nun verstand Ferrus Manus.
 
 
Du wirst meine Erinnerung an die Vergangenheit sein, mein Spiegel für die Gegenwart, mein Kompass für die Zukunft.
 
Mein Rememberancer.
  
Auf das Ich und meine Söhne niemals vom Weg abkommen werden.
 
 
(Hier die Originalquelle zum Blutigen Text)
_____________________________________________________________________________________________________________

 
Einige Jahre später, im Anflug auf Isstvan V:
 
 
Alles war geplant, organisiert und vorbereitet. Seine Kriegsmaschinerie - die X Legion - lief mit maximaler Effizienz ihrem Ziel entgegen, wie sie dies bereits ungezählte Male getan hatte.
 
Doch das Ziel war diesmal ein völlig Neues.
 
Wie war es nur dazu gekommen? Welcher Fehler war gemacht - und übersehen worden?
 
Er ging im Geiste jeden seiner Brüder durch, die sich vom Imperator und der Menschheit abgewandt hatten.
Und er fand bei Jedem von Ihnen den charakterlichen Fehler, der Sie zu Verrätern hatte werden lassen.
 
Keiner von Ihnen hat je den Wert der Demut erkannt, keiner von Ihnen hat je versucht, die Menschheit, die zu beschützen und voranzubringen wir von Ihm geschaffen worden waren zu verstehen.
Und dabei die wahre Stärke ihrer Spezies zu erkennen, die hinter der Fassade der zahlreichen Schwächen der Menschheit verborgen war.
 
Und so waren sie alle Horus gefolgt, als der sich - kraft seiner Arroganz - zum neuen Herren ausgerufen hatte.
 
Und alle hatten Sie dabei die Maske des Menschlichen vollends abgeworfen - so sie diese je wirklich getragen hatten. Wie etwa Angron.
 
Das hatte sie zu diesen Monstrositäten werden lassen.
 
 
Dabei sah er immer wieder auf seine Hände herab.
 
Er betrachtete ihr Glitzern. und sah dabei, dass sie mehr und mehr zu zittern begannen.
 
 
Das sind nicht meine Hände
 
Dieser Fakt ist von meinen Söhnen vergessen worden - unausweichlich, so war es mir immer erschienen. Diese Hände sind stark, ganz klar, und sie haben Großartiges für uns alle erschaffen. Aber es sind NICHT meine Hände. Und DAS heißt was.
 
Sie haben vergessen, daß das Silber meiner Händen von einer Bestie kam, die ich zur Strecke gebracht hatte. Sie sind das Zeichen, dass ich ein großes Übel beendet hatte - und doch besteht es weiter: In mir.
Es ist fremdartig, künstlich, eine beunruhigende Ergänzung zu dem herausragenden physischen Körper, den mir mein Vater gegeben hatte.
 
Ich würde hart kämpfen müssen, wenn ich es jetzt entfernen wollte.
 
 
Das Problem ist nicht chirurgischer Natur, ich habe keinerlei Zweifel, dass die Ärzte meines Vaters meinen Körper komplett neu erschaffen könnten, wenn ich es ihnen befehlen würde.
 
Nein, ich werde das Silber nicht aus meinem Fleisch entfernen, da ich gelernt habe, mich darauf zu verlassen.
 
 
Der Fehler liegt in meinem Geiste.
 
 
Ich verlasse mich so sehr auf die Verstärkung, die mir meine künstlichen Handschuhe gewähren, so dass das Fleisch darunter für mich inzwischen nur wenig mehr ist als eine ferne Erinnerung.
 
Es ist meine Krücke geworden, dieses Silber.
 
Der Tag wird kommen, an dem ich mich von ihnen erlösen werde - bevor ich für immer die Kraft verliere, mich zu kontrollieren, mich zu meistern.
 
Meine Legion hat bereits damit begonnen, mir zu Ehren ihre Schildhand durch Metall zu ersetzen - und so begannen auch Sie, die natürliche - ihre menschliche - Stärke anzuzweifeln.
Sie müssen von dieser Praxis abgebracht werden, bevor es für sie zu einem Zwang wird.
Denn Hass auf alles, was menschlich, was natürlich ist, ist der erste und größte Schritt zur Verdammnis.
 
 
Also lege ich hiermit fest: Wenn die Zeit reif ist, werde ich meine Hände vom Silber befreien.
 
 
Ich werde meine Legion dazu bringen, ihren Zweifeln am Fleisch abzuschwören.
Ich werde meine Legion vom Weg der Maschine abbringen, und Ihnen auftragen, sich den Mysterien aus Knochen, Fleisch und Blut zuzuwenden.
 
Wenn meines Vaters Kreuzzug vorüber ist, wird dies MEIN heiliger Auftrag sein. Wenn das Kämpfen vorüber ist, werde ich meine Legion heilen - und mich selbst.
 
Denn wenn das Kämpfen alles ist, was uns noch bleibt, wenn wir nie innehalten, um unsere bedingungslose Hingabe an Stärke zu hinterfragen, dann wird unsere Verachtung nur noch steigen.
 
Ich sehe vor mir bereits den Wahnsinn, zu dem dieser Pfad führen wird, und daher werde ich das Silber aus meinen Händen austreiben.
Damit werde ich mich selbst und meine Söhne zwar schwächen, aber es muss nichtsdestotrotz gemacht werden.
 
 
Diese Hände sind stark, und sie haben großartige Dinge hervorgebracht – doch es sind nicht meine.


______________________________________________________________________________________________________________
 
10000 Jahre später, Watchfestung Erioch, Jerichosektor
 
Eine Gruppe vor kurzem eingetroffener Astartes versammelt sich zur feierlichen Aufstellung des neuen Killteams V. Einer von ihnen, gerüstet im Schwarz und Weiß seines Ordens, tritt zum Rednerpult.

 
"Seid gegrüßt, Brüder Astartes!
 
 
 Ich bin Rutgaer, von den Söhnen des Sigismund, des Sohnes Rogal Dorns, des Sohnes des Gottkaisers!
 
Geboren wurde ich vor 84 Jahren auf Tanelorn, vor 71 Jahren war ich von Bruder Veteran Athellenas erwählt worden, Ihm auf dem ewigen Kreuzzug zu den Sternen zu folgen.
 
Ich diente ihm als Knappe, und wurde vor 66 Jahren zum Ritter geschlagen.
 
Seitdem führe ich als Paladin das Schwert, habe unzählige Questen in Seinem Namen vollendet.
 
6 Dekaden haben mich an ungezählte Orte in dieser Galaxis gebracht, und mir die Feinde der Menschheit in all ihrer Vielfalt vor Augen geführt. Ich habe erkannt, dass die Menschheit nicht die Ersten waren, die sie bewohnt und erobert haben, und auch jetzt nicht die Einzigen sind. Bei weitem nicht, die Weiten des Alls sind erfüllt von den vielfältigen Heerscharen des Xenos, das uns im Zeitalter des Weltenbrands unterdrückt, versklavt und beinahe ausgelöscht hätte – wäre nicht Er gewesen, mit Seiner Vision, und wäre nicht Er mit uns zum Großen Kreuzzug aufgebrochen ! Um die weitverstreute Menschheit vom Würgegriff des Xenos zu erlösen.
 

 
Dieser Kreuzzug ist noch längst nicht vollendet!
 
 
 Noch immer steht die Menschheit an allen Fronten, und kämpft um ihre Zukunft, in diesem von Feinden erfüllten Universum, in dem kein Friede möglich ist, und das Überleben immerwährend aufs Neue erkämpft werden muss. Solange, bis diese Galaxis endgültig vom Xenos und seinem verderbenden Einfluss gereinigt ist.
 

 
Und hier ist der Ort, an dem es gilt, alles Wissen über den Xenos anzuhäufen, in all seinen Formen und Erscheinungen.
 
Denn wir wissen: „Wissen ermöglicht Zerstörung, Wissen vervollständigt Zerstörung!“
 
 
Wir mögen nicht die Ersten sein – doch werden wir die Letzten, die endgültigen Herren dieses Universums sein! Sein Wille geschehe, sein Reich komme – bis in alle Ewigkeit!
 

 
IMPERATOR VULT – ET NOS VULITE !"
 
 
 
Wenige Monate später, Kapelle des Dorn, Tanelorn
 

 

Ein Astartes in vollen Regalia kniet vor dem Altar. Ein weiterer betritt gemessenen Schrittes den Raum. Er wartet, bis sich der Betende erhebt, und spricht:
 
 
Reclusiarch, ihr meint, es ist nun an der Zeit?
 

 
Ja, Bruder Castellan. Ich denke, dass er nun genügend Zeit außerhalb unseres Ordens verbracht hat. Das schwarz-weiße Weltbild, das er hier gesehen und gelernt hatte, wird von seinem Geist inzwischen angezweifelt worden sein.
  
Sein vorbildlicher, doch blinder Eifer ist beim Ordo inzwischen gewiss mehrfach in Frage gestellt worden – wenn nicht von ihm selbst, dann von jenen um ihn herum – so dass er nun reif ist für den nächsten Schritt.
 
Seine Seele ist nun wie ein glühendes Stück Stahl. All die Widersprüche , die er beim Ordo Xenos erlebt und erduldet hat, der innere Konflikt zwischen seiner ganz untemplerhaften Neugier und seinem exemplarischen Zorn werden ihn so weit verärgert haben, das selbst die Ruhe des Gebets ihm nun nicht mehr weiterhelfen kann.
 
Man kann das Eisen erst schmieden, wenn es richtig heiß ist. Doch darf man es auch nicht zu lange in der Esse aufheizen – sonst verbrennt es, wird spröde, brüchig und unbrauchbar.
 

 
Wenn ihr meint, Reclusiarch. Ihr seid unser Seelenschmied.
 
 
Also ist es beschlossen. Bruder Rutgaer wird auf seine erste Pilgerfahrt gehen, und zwar an einen Ort, wo er Antworten auf seine Fragen finden kann.
 

 Ich erinnere mich da an einen Anderen, der nun das Schwarz des Reclusiums trägt.
 
Er war aufsässig, rebellisch … manchmal frage ich mich, wie der mit seiner Geisteshaltung ÜBERHAUPT je zu einem vollwertigen Paladin ernannt hatte werden können.
 
Doch er hat den Konflikt in sich gelöst, und ist zu einer festen Größe in unserem Orden – und darüber hinaus – erwachsen.
 
 
Auf dem Schlachtfeld haben wir Templer uns seit den Tagen Sigismundts bewährt. Unsere Siege dort sind gewaltig und endlos.
 
 
„Und wie oft müssen wir mit ansehen, wie diese wieder zunichte gemacht werden. Eitelkeit, Machtgier, Unentschlossenheit und Zwist sind das Krebsgeschwür, das dem Imperium mindestens ebenso sehr schadet wie die ungezählten äußeren Feinde.“
 
„Lord Dorn wusste dies, und als Er Sein Werk in den Tiefen des Imperialen Palastes in Ruhe und Abgeschlossenheit vollführte, führten der Primarch und Malcador das Imperium. Sowohl zu der glorreichen Zeit der Eintracht als auch in den finstersten Tagen von Horus‘ Häresie.“
 
„Sigismundt selbst war bei Lord Dorn ob seiner Gläubigkeit in Ungnade gefallen. Einst war der Erste Hauptmann der wichtigste Berater und Gesprächspartner Rogal Dorns gewesen – nun wurde er mit innerer Verbannung belegt.
 
Also blieb ihm nur der Pfad des Einzelgängers, und Sigismundt konzentrierte sich ganz auf seine Rolle als Champion Dorns – und später des Imperators selbst. Und er wandte sich damit von aller weltlichen Macht und Politik ab.“
  
„Hier im Jericho Reach ist das Imperium schwach – da es so zersplittert ist.
 
Terra ist weit, und es fehlt die einigende Hand. Von selbst funktioniert das hier nicht. Hier braucht es dringend jene, die einigen und führen.
 
Und das Imperium so zu der Stärke aufbauen, die es brauchen wird, um hier bestehen und wachsen zu können.“
  
 
„Auf diesem politischen Schlachtfeld können nur Wenige von uns wirklich etwas bewirken.“
 
 
 „Ian IST einer dieser Wenigen.“
 
 
„Und Rutgaer kann so Einer werden.“
 
 
„Sende Rutgaer zu seiner Pilgerfahrt nach Akonn. Ian wird sich dort seiner annehmen.“
  
„Aus dem Hitzkopf Sibrandt hat er einen formidablen Castellan gemacht.“
 
 „Soll er sehen, wie er aus Rutgaer – einer nahe verwandten Seele – einen weiteren Einiger im Namen Sigismundts, Dorns und des Imperators macht.“
 
 
 

Einige Wochen später, Kapelle des Dorn, Akonn:
 
 
 

Der Raum ist finster, nur eine rußende Fackel erfüllt den Raum mit flackerndem, dämmrigem Licht. Ein Astartes steht vor dem Altar, sein Haupt ist gesenkt. Er betrachtet ein altes, verkratztes Dataslade, in dessen schwachem Schein die Züge seines Totenkopfhelms gerade so zu erkennen sind.
 
 
Rutgaer betritt die Kapelle, bekleidet mit der Robe eines Pilgers. Seit einer Woche hat er nun gefastet und gebetet, hat verschiedene Schriften studiert und reflektiert, in dem Versuch, seinen aufgewühlten Geist zu klären.
 
All die Erfahrungen mit seinen astartischen Kampfgefährten … inzwischen eigentlich fast Brüdern des Killteams V … lassen ihn nicht zur Ruhe kommen.
 
Als was für ein merkwürdiger Ort mir die Galaxis inzwischen erscheint.
So voller Widersprüche und … Unklarheiten, Falschheiten, Lügen.
 
So viele Fragen – und so wenig echte Antworten.
 
Dabei sind nur wenige Jahre seit meiner Zeit im Athellenas-Kreuzzug vergangen.
 
 
Die sieben Jahrzehnte in den Reihen seines Kreuzzugs unter Castellan Athellenas kommen ihm inzwischen wie eine lange zurückliegende Epoche vor. Damals, als er noch in den Reihen seiner Templerbrüder gekämpft hat, muss die Galaxis ein ganz anderer Ort gewesen sein.
 
Es gab damals das Imperium, und es gab den Feind – sei er nun Dämon, Xenos oder Häretiker gewesen. Der Castellan, die Ordenspriester und die Truppführer legten dies fest, und wir Kampfesbrüder kämpften und töteten auf ihr Geheiß.
 
Sie fanden auf jede Frage die Antwort, und wir übernahmen sie.
 
Ich sehe die Welt inzwischen mit anderen Augen … und zwar mit meinen Eigenen. Es genügt mir nicht länger, den Einschätzungen anderer blind zu folgen.
 
 
So Vieles, was er erlebt hatte, bei seinen jetztigen Brüdern und in den Schatten des Imperiums, hatte er zuvor für unmöglich gehalten. Manches konnte er mit einem inneren Lächeln und einem Kopfschütteln als absurd abtun. Aber manches hatte seine Wut entflammt, seinen Zorn entfacht, und er musste sich oft beherrschen, diese … HÄRESIE! … nicht sofort mit Feuer und Schwert zu beenden.
 
Was ihn am meisten verwirrte, war die HEX … der Scriptor … Bruder Zorael, von den Söhnen des Sanguinius.
 
So etwas dürfte es laut meinem Orden eigentlich gar nicht geben, und doch war an Zorael nichts Verdammens- oder Verachtenswertes. Im Gegenteil, sein Edelmut, sein weitreichendes Wissen – und sein heißblütiger Zorn in der Schlacht - brachten ihm meinen Respekt ein. Von all den Brüdern im Killteam V kommt ausgerechnet er meinen Templer-Ideal am nächsten …
 
 
Doch war er nun wieder unter den seinen, hier auf Akonn, unter Castellan Sibrandt.
 
Eigentlich müsste ich froh und erleichtert darüber sein, wieder in die Welt von Schwarz und von Weiß zurückgekehrt zu sein. Doch es fällt mir inzwischen schwer, mich unter Templerbrüdern heimisch zu fühlen …
 
 
Inmitten der Finsternis erhellte ihn jedoch ein Gedanke.
 
 
Morgen ziehe ich mit Ordenspriester Ian auf die Pilgerfahrt nach Akonn aus, um neue Aspiranten für den Orden zu erwählen.
 
Die Zeit der Muße und Kontemplation ist dann vorbei. Eine Zeit des Handelns beginnt.
 
 
Akonn erschien ihm ebenso beschaffen zu sein wie Tanelorn.
 
Eine Welt mit feudalen Strukturen, technologisch und industriell unterentwickelt, und damit unvergiftet.
 
 
Hier lebten die Menschen von der Landwirtschaft und von einfachem Handwerk. Ungestört vom Takt der Maschinen konnten die Priester und Prediger ihr Werk tun. Die politische Macht lag in den Händen vieler Ritterorden, die permanent um die Vorherrschaft fochten und duellierten.
 
Und so wuchsen Männer heran, stark im Glauben, körperlich gestählt und von reinem Geiste, der sich hervorragend als Aspiranten für den Orden der Black Templars eigneten.
 
 
„Bruder Rutgaer, ist euer Geist geklärt, und ist eure Seele gereinigt?“
 
 
„So ist es, Vater Ordenspriester Ian. Ich bin bereit!“
 
 
Der Ordenspriester verharrte unbewegt, seine flammenden Totenkopfaugen starrten direkt in die Rutgaers.
 
 
Ein Minute verstrich. Rutgaer wurde langsam unruhig.
 
Was jetzt? Worauf wartet Vater Ian?
 
 
„Ihr habt gesprochen wie ein Templer, voller Eifer und Tatendrang. Ihr könnt dies gut, Bruder Rutgaer.“
 
 
Eine weitere Minute verstrich, in der Rutgaers Unruhe zunahm, und sich damit sein Herzschlag weiter beschleunigte.
 
 
„Und nun lassen wir die Masken fallen, und reden aufrichtig miteinander.“
 
Und Ian nahm seinen Totenkopfhelm ab, und sah Rutgaer direkt in die Augen.
 
Sein unbehelmter Blick ist noch durchdringender.
 
 
„Bruder Rutgaer, ist euer Geist geklärt, und ist eure Seele gereinigt?“
 
 
„Meine Seele ist stets rein gewesen, sie bedurfte keiner Reinigung.“
 
„Doch … doch mein Geist ist in Aufruhr. Ich habe in den letzten Jahren das Imperium in all seinen Facetten mit eigenen Augen gesehen, unbeeinflusst von den Worten anderer Templer … und bin … unschlüssig … geworden.
 
Ich bin es gewohnt - ich hatte immer das Gefühl - alle Antworten zu haben, und wusste daher stets, wie ich zu handeln hatte.“
 
 
Sein Herzschlag verlangsamte sich wieder, und zum ersten Mal seit langer Zeit verspürte er so etwas wie Ruhe in sich einkehren.
 
Er glaubte, ein aufkeimendes, rasch wieder unterdrücktes, kurzes Lächeln auf  Ian’s Gesicht erkannt zu haben.
 
 
Wieder verstrich eine Minute. Dann nickte Ian langsam.
 
 
„Bruder Rutgaer, vor sehr langer Zeit, als ich noch Neophyt unter Bruder Petrus gewesen war, zogen wir mit der Gladius Ignis von Tanelorn aus, um einen gigantischen Space Hulk aufzuklären, der in einem der Nachbarsysteme erschienen war."
Wir suchten uns eine Ansammlung von Raumtrümmern.“
 
 
Vater Ian kommt auch von Tanelorn? Und Vater Petrus ist Reclusiarch des dortigen Kreuzzuges.
 
 
„Diese Wrackteile entpuppten sich als ein einheitliches kleines Objekt in all dem Chaos, es waren wenige Schiffe eindeutig imperialen Ursprungs, die miteinander verschmolzen waren.“
 
„Es wurden keinerlei Lebenzeichen darin ausgemacht, dafür konnten 2 davon identifiziert werden. Zu unserem großen Erstaunen stellten wir fest, dass es sich um Schiffe aus der Zeit der Horus-Häresie handelte.“
 
„Das größte war eine Fregatte der Iron Hands Legion gewesen, das zweite ein Begleitschiff der Ravenguard Legion. Alle wiesen deutlich sichtbare Kampfesspuren auf, die bereits vor der Verschmelzung zum Space Hulk entstanden waren.“
 
„Wir betraten die luftleeren Korridore, und durchsuchten unter dem Schutz der Schwertbrüder die leeren Hallen.“
 
„Und schon bald wussten wir: diese Schiffe waren von Isstvan V geflohen, als die zweite Welle der imperialen Verstärkungen ihren Verrat vollzogen hatte.“
 
 
„Bruder Petrus und ich waren auf einem der Begleitschiffe, das ebenfalls zur Iron Hands Legion gehört hatte, und wir durchstreiften die Quartiere der längst vergangenen Besatzung.“
 
„Dabei stieß ich auf ein altes Dataslade. Es hatte einem „Rememberancer“ gehört, einem Mann namens Gary Lee Weinrib.“
 
 
„Zu meinem Erstaunen stellte ich fest, das es noch funktionierte.“
 
„Doch sehet selbst, Bruder Rutgaer.“ Und Ian reichte Rutgaer das alte, verkratzte Dataslade vom Altar.

 
 
Auf dem Bildschirm leuchteten die folgenden Worte in grünlichen Lettern:
 
Witch Hunt
The night is black
Without a moon
The air is thick and still
The vigilantes gather on
The lonely torch lit hill

Features distorted in the flickering light
Their faces are twisted and grotesque
Silent and stern in the sweltering night
The mob moves like they are possessed
Quiet in conscience, calm in their right
Knowing that their ways are best

The righteous rise
With burning eyes
Of hatred and strong will
Like Madmen fed - on fear and lies?
To beat and burn and kill

They say there are strangers who threaten us
In our immigrants and among ourselves
They say there is strangeness too dangerous
In our theaters and bookstore shelves
That those who know what's best for us
Must rise to save us from ourselves

Quick to judge
Quick to anger
Slow to understand
Ignorance and prejudice
And fear walk hand in hand...
 
 
 
Rutgaer starrte stumm auf diese Worte. Er wusste nicht, was er mit ihnen anfangen sollte.
 
 
Da war es schon wieder.
 
Wahrheit und … Lüge? … Zweifel? … Häresie.
 
 
Wie konnte es jener „Rememberancer“ nur gewagt haben, des Werk der Inquisition, der Eccelesiarchie und … manchmal auch von uns Astartes so … falsch? … nein … es ist korrekt dargestellt … so verdammend … darzustellen.
 
Wo wäre denn die Menschheit heute, wenn jene NICHT die Führung übernommen hätten?
 
 
Seine Hand mit dem Dataslade zitterte leicht.
 
 
„Bruder Rutgaer, diese Worte stammen aus einer Zeit, da es noch keine Inquistion und noch keine Eccelesiarchie gegeben hatte. Die Astartes waren in Legionen organisiert gewesen, und befanden sich alle auf dem großen Kreuzzug.“
 
„Die Horus Häresie war der erste – und bis heute der schlimmste  - Verrat, den die Menschheit des Imperiums je erleben musste.“
 
 
„Und jener Gary Lee Weinrib war  - in genau diesem Moment des Schlimmsten Verrats – vor Ort gewesen.“
 
„Diese Worte waren seine Letzten gewesen, ehe die Luft aus dem Korridor entwichen war, in dem er mit gebrochenen Beinen unter Trümmern eingekeilt festsaß.“
 
 
„Mein erster Impuls war, das Dataslade mit einem Fausthieb zu zerschmettern. Die Worte verärgerten mich maßlos – stellten sie doch das Weltbild meines Ordens schwer in Frage.“
 
„Was mich aber noch viel mehr ärgerte, war die Tatsache, dass ich ihm nicht widersprechen konnte. Das waren keine Lügen. Seine Worte stimmten.“
 
 
„Jener „Rememberancer“, der noch aus jener weniger bedrohlichen, weniger finsteren Zeit stammte, als der Imperator selbst noch unter den Menschen gewandelt und sie selbst geführt und gelenkt hatte, hatte mit seinen letzten Atemzügen seine Vision der Zukunft niedergeschrieben.“
 
 
„Und er hat Recht gehabt.“
 
 
„Nachdem meine anfängliche Verärgerung über diese ungewohnt offenen Worte also abgeklungen war, lass ich sie ein weiteres Mal.“
 
„Und ich fragte mich: Ja, wir haben das so gemacht … wo liegt da das Problem?“
 
 
„Wir leben in einer Zeit der tiefsten Finsternis, die seit der Passivität des Imperators und dem Verschwinden seiner Primarchen nicht länger von Übermenschen erhellt wird.
 
In der die blinden Massen von wenigen Sehenden entschlossen, hart und eng geführt werden müssen.
 
Wir Rechtschaffenden MÜSSEN uns erheben, und entschlossen, hart und unnachgiebig zerschlagen, verbrennen und töten, um die wehrlose Menschheit vor sich selbst und all den anderen Bedrohungen zu beschützen und zu bewahren.
 
Denn es gibt jene, unter den Fremden wie den eigenen Leuten, die eine Bedrohung darstellen. Es gibt Bücher und Darbietungen, die zu Hexerei und Verdammnis führen.
 
Die Wissenden MÜSSEN für die Blinden entscheiden, für all jene, die die Wahrheit in diesem Universum nicht ertragen könnten.“
 
 
„Und ich las die letzten Worte jenes Gary Lee Weinrib ein drittes Mal. Und da sah ich endlich den Sinn, und erkannte, warum ich dieses Dataslade NICHT sofort als Häresie verdammen und zerschlagen konnte.“
 

 
„Denn Ignoranz, Vorurteile und Angst sind die allerschlechtesten Ratgeber, die es für unser ewiges Werk als Verteidiger der Menschheit nur geben kann. Vorschnelle, von Wut geleitete Urteile, die von langsamem oder mangelndem Verständnis aufrechterhalten werden, lassen uns nur das Gegenteil dessen tun, was zu tun unsere heilige Pflicht ist.
 
Das Imperium und seine Menschen zu bewahren und zum Sieg zu führen.“
 
 
 „Von diesem Moment an sehe ich die elementar wichtige Warnung. Die ständige Erinnerung an die Schwere und Verantwortung unserer Aufgabe.“
  
„Also habe ich dieses Dataslade – jenes Relikt aus einer längst vergangenen, besseren Zeit – behalten.“
 
„Denn es gibt sehr wohl Beispiele, da der Eifer der Beschützer des Imperiums, der Hexenjäger, der Inquisition und auch von uns Astartes zu weit geht. In der – sei es aus Angst, sei es aus Blindheit, sei es aus Sturheit - vernichtet wird, was es eigentlich zu bewahren und zu beschützen gilt.“
 
„Schon mancher Inquisitor scheint mir zu folgender Lösung für seine Probleme gekommen zu sein: Er bringt einfach alle um, dann braucht er sie nicht länger zu schützen oder vor der Verdammnis zu bewahren.
 
Und tut so das Werk der Feinde der Menschheit.“
 
„Unter Gogh Vandire blühten diese Leute auf, und hätten beinahe das Imperium zu Grunde gerichtet.“
 
 
„Es hatte erst eines Sebastian Thor bedurft, um uns von den Söhnen Dorns die Augen ob des Wahnsinns zu öffnen, der sich da seit Jahrzehnten im Imperium vor unseren Augen abgespielt hatte. Und es in die Verdammnis zu führen drohte.“
 
„Wir von den Ewigen Kreuzfahrern Rogal Dorns, wir Söhne des Sigismundt, sind das Schwarz und das Weiß gewohnt. Impulsiv und rasch urteilen wir, verdammen und glorifizieren schnell.
Eifer und Entschlusskraft haben wir im Überfluss.“
 
 
„Und solange wir einfache Kampfesbrüder sind, Paladine auf Kreuzzug, genügt dies auch.“
 
 
„Denn dann vertrauen wir auf das Urteil unserer Anführer, und übernehmen ihre Einschätzung vom Freund und vom Feind.“
 
„Doch wie sind diese Anführer zu ihrem Urteil gelangt?
 
 
„Sie handeln schnell, wenn es nichts zu bedenken gibt. Die meisten Xenoten und Abweichler bedürfen keiner tiefgründigen Überlegungen. Sie sind unsere natürlichen Feinde.“
 
„Und von der Sorte gibt es im Universum reichlich.
 
Sie sorgen dafür, dass das Imperium und seine Beschützer zu jeder Zeit vollständig ausgelastet sind. Oft sind sie sogar überlastet, und werden zurückgedrängt.
 
Denn dies ist der ewige Kampf, der für das Überleben des Imperiums unausweichlich ist.“
 
 
„Doch wäre dies alles, dann wären niemals Zweifel in euch aufgekommen. Dann wäre die Welt ganz einfach, die eine Hälfte Schwarz, die andere Hälfte Weiß.“
 
 
„Doch leider ist da noch mehr.“
 
 
„Soviel Zeit, Energie und Resourcen verlieren – vergeuden  - Streiter des Imperators in fruchtlosen Kämpfen. Sei es durch sinnlose Kriege gegen unnötige Gegner, sei es sogar gegeneinander.“
 
 
„Und wie oft werden schwer errungene, opferreiche Siege des Imperiums durch Uneinigkeit, Blindheit und Angst zunichte gemacht?“
 
„Wie oft wenden sich Eccelesiarchen, Adepten des Mechanicum und planetare Gouverneure aus Selbstsucht, Gier und Neid gegeneinander?“
 
„Wie oft sah ich schon scheinbar große Anführer mit noch größeren, geschickt gewählten Worten die Massen zu gewaltigen Opfern und Taten aufrufen – um damit letztlich nur ihr eigenes Wohl zu mehren.
 
Oft blendeten sie die Massen mit ihren „heiligen“ Phrasen, und hinterließen nichts als Tod und Verwüstung.“
 
 
„Wo könnten Wir heute stehen, wenn Wir gemeinsam an EINEM Strang ziehen würden?“
 
 
Ian atmete tief, und rang sichtlich mit seinem aufkochenden Zorn. Doch er kam zur Ruhe, und sprach in ruhigen, gewählten Worten weiter.
 
 
„Die Geschichte ist voll von vorschnellen, falschen oder gar bewusst erlogenen Worten und Urteilen.
 
Um in dieser grauen Welt abseits der natürlichen Feinde der Menschheit ein klares, richtiges Urteil zu finden, von dem Alles weitere abhängt, bedarf es gänzlich anderer Eigenschaften und Wesenszüge, als wir Templer sie gewohnt sind.“
 
„Denn dies ist der Weg für all jene, denen das Leben als Paladin nicht mehr genügt. Nur so können wir weiter mit uns selbst im Reinen bleiben.“
 
„Auf diesem Schlachtfeld muss sich ein jeder behaupten, der die Welt mit eigenen Augen zu sehen beginnt. Und ihr habt diesen Schritt gemacht.“
 
 
„Die Pflicht war uns von den Söhnen Dorns schon immer das Wichtigste, und dieselbe Pflicht zwingt uns zum Erfolg.“
 
 
„Nun seid ihr bereit, Bruder Rutgaer.“
 
 
„Eure Seele ist in der Tat rein geblieben, und euer Geist ist nun bereit, ein euch bisher unbekanntes Schlachtfeld zu betreten.“
 
„Ihr werdet neues Wissen erlernen, um damit Schritt für Schritt Antworten zu suchen, zu finden und zu prüfen. Wie dies schon immer eurer Natur entsprach, Rutgaer.“
 
 
„Doch von nun an werden es eure eigenen Antworten sein – sein müssen.“
 
 
(auch hier wieder die Originalquelle des Grünen Texts)

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