Shas-o Sho’vah Or’es

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Shas-o Sho’vah Or’es

Beitrag von Das Sprachrohr am Fr Dez 16, 2016 3:18 pm




Vor langer Zeit, auf einer der Grenzwelten des Tauimperiums:

... Schnell ... Rückzug ... in den nächsten Graben ...

In seinem Crisis-Anzug hatte er sich bisher sicher gefühlt. Durch alle Konflikte mit den Grünhäuten hatte der Panzer ihn und seine Krieger sicher und souverän durch die Schlacht geführt. Alle Attacken der Feinde waren abgeprallt, oder hatten ihn gar nicht erst getroffen, während er Salve um Salve abschoss - und von Sieg zu Sieg sprang.

Das war hier anders. Diese Gegner in ihren schweren gelben Rüstungen waren schneller, intelligenter und, wenn das nicht ausreichte - entschlossener als alle bisherigen Feinde.
Schockiert gedachte er seiner Feuerkriegerkameraden, mit denen er Jahrzehnte Seit an Seit gefochten hatte.
Sie waren in wenigen Sekunden mit Sägeschwertern abgeschlachtet worden.

Sie waren in den Trupp des gegnerischen Kommandeurs hineingesprungen, um ihn auf dem Höhepunkt der Schlacht auszuschalten und damit den Sieg zu garantieren.


Eine schnelle Salve, und alles wäre vorbei gewesen.


Doch der Gegner, der während des Sperrfeuers in Deckung gekauert war, war ihnen sofort entgegen gestürmt, und hatte sie direkt bei der Landung angegriffen. Seine beiden Feuerkrieger waren von je zwei der gelben Riesen mit Sägeschwertern angegriffen worden.

Der feindliche Anführer mit dem donnernden Hammer war ihm entgegengetreten, und hatte zunächst die Plasmasalve mit seinem Schild abgewehrt - und direkt danach den Plasmaprojektor zerschmettert.


Sofort hatte Or’es den Rückzug befohlen, doch für seine Gefährten war es da bereits zu spät. Ihre Kampfanzüge waren bereits flugunfähig gemacht worden.

Und der Anführer stürmte ihm an der Spitze seiner Streitmacht hinterher, und überrannte so die Frontlinie der verdutzten Tau.


Das war vor wenigen Minuten gewesen, und nun befand sich die gesamte Streitmacht panisch auf der Flucht, verfolgt von den gelben Riesen. Jeder Versuch, sich zu sammeln und zu formieren wurde von ihnen im Keim erstickt und niedergemacht.

Schließlich sah Or’es ein, dass nur er seinen verbliebenen Kriegern die Zeit zum Neuformieren verschaffen konnte. Dazu musste er den Anführer der Feinde stellen. Ihm war aufgefallen, dass niemand ihn beschossen hatte.

Respektieren diese Gegner etwa die Kampfweise des Duells?

Und so dreht er sich um, zog sein Kampfmesser, und hob es als Zeichen der Herausforderung dem gegnerischen Anführer entgegen. Seine verbliebenen Krieger stellten ihren ineffizienten Beschuss ein, und formierten sich endlich hinter ihm.

Der gegnerische Anführer verlangsamte seinen Schritt, und hob den Hammer – worauf auch dessen Kämpfer das Feuer einstellten.


Dann trat er Shas-o Sho’vah Or’es entgegen, und ließ nach einem Moment der Ruhe sein Schild und den Donnerhammer fallen – und zog dafür ebenfalls ein alt aussehendes Kampfmesser.

Or’es sprach die Herausforderung aus, nannte seine Erzeuger, seine Siege und seine Schlachten. Der gelbe Anführer begann ebenfalls, in seiner unverständlichen Sprache, doch  voller Stolz und Ehre seine Leistungen zu verkünden. Zumindest klang das so.

Dann senkte er das Messer, und griff an. Sein Geschick und seine Kraft überstiegen das des Tau bei weitem, und bald sprühte der Krisis-Kampfanzug Funken – und ging zu Boden. Und während der gegnerische Anführer sein Messer durch den Anzug ins Innere zu drücken begann, kam der Funkspruch: Waffenstillstand! Die Feindseligkeiten sind sofort einzustellen, es ist ein Waffenstillstand ausgehandelt worden, der HIERMIT SOFORT in Kraft tritt.

Der gelbe Riese zögerte, er schien dieselbe Botschaft über Funk empfangen zu haben. Das Messer stieß nicht weiter zu. Sein emotionsloser Helm starrte sekundenlang in Or’es beschädigte Sensoren.

Or’es hatte sämtliche vergebliche Gegenwehr eingestellt, und seine kaum noch funktionierenden Arme in einer Geste der Aufgabe von sich gestreckt.


Schließlich stand der Gegner auf, und sah hinab. Dann sah er zu den anderen Taukriegern, die alle misstrauisch ihre Waffen gesenkt hatten.

Eine nervöse Ruhe lag über dem Schlachtfeld. Niemand wusste, was als nächstes geschehen würde.


Unglaublich.


So etwas sind wir von keinem Gegner gewohnt. Nur wir Tau können unseren mörderischen Instinkten trotzen, und das Kämpfen für das höhere Wohl einstellen.

Unglaublich, diese gelben Riesen tun das auch.

Unglaublich.


Or’es begann, aus seinem praktisch funktionsunfähigen Anzug auszusteigen, und trotz seiner Schmerzen und Verletzungen gelang ihm dies langsam. Er stellte sich so gut es ging aufrecht hin, und deutete mit einer Geste seine Niederlage im Duell an.


Der gegnerische Anführer nahm den Helm ab, und nickte einmal kurz.


Dann steckte er sein Kampfmesser ein, und sammelte seinen Schild und den Hammer ein.

Or’es befahl seinen verbliebenen Kriegern, die Waffen zu schultern, und sich um die Verwundeten zu kümmern.

Verdutzt folgten sie seinen Anweisungen, und machten die Medipacks bereit.

Or’es hob sein eigenes Medipack und deutete damit auf einen in der Nähe des gelben Anführers liegenden, noch lebenden Feuerkrieger.


Wieder starrten die Kommandeure einander angespannt in die Augen. Sekunden verstrichen, die Gesichtszüge des Gegners schienen sich zu verhärten.

Die Zeit schien stillzustehen.

Schließlich atmete der gelbe Riese aus, und nickte.



Einige Generationen später:

Shas-o Sho’vah Or’es betrachtete von seinem Kommandopult aus die große Streitmacht, die unter seinem Oberbefehl auszog, um das Imperium der Menschen bei Laertes Vitium zu unterstützen.

Der Gedanke verwirrte ihn.

Wieso helfen wir denen? Es sind blinde, fanatische … na ja, Tiere nicht unbedingt, aber Unzivilisierte. Wegen ihres irren Glaubens, der sie dazu bringt, einander und anderen üble Dinge anzutun, anstatt dem höheren Wohl zu folgen.

Kein Wunder, dass sich so viele von denen  uns anschließen wollen.




Er dachte an ein Bild, das einer seiner Vorfahren vor langer Zeit gemacht hat. Jener Shas-o Sho’vah Or’es war zur Zeit des ersten Krieges mit dem Imperium ein Kommandeur gewesen.
Jenes Bild zeigte, unscharf und pixelig einen der Großen Krieger des Imperiums, in einer goldgelben Rüstung. Es war vom Boden aus aufgenommen worden.

Na ja, zum Glück sind die nicht alle so.

Jener Vorfahr hatte den Krieg überlebt – er war durch den Waffenstillstand gerettet worden. Jener Imperiale Krieger auf dem Bild war gerade dabei gewesen, den damaligen Shas-o Sho’vah Or’es im Duell umzubringen.

Doch dann hatte er innegehalten, und so den gerade verkündeten Waffenstillstand respektiert.
Nun, jetzt ist es an uns, für das höhere Wohl das Imperium der Menschen zu unterstützen, das sonst zu Boden gehen wird.

„Für das höhere Wohl“ – oder zumindest  gegen ein übleres Un-Wohl.
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